So viel Stoff …
Ich habe meine Fächer für die Aufnahmeprüfungen an meinem Elitenest festgelegt: Englisch, Deutsch, Geschichte, Geographie. Die beiden Sprachen werden jetzt nicht das große Problem darstellen, allerdings ist Geschichte ein gewaltiger Haufen ausführlichen Stoffs und Geographie ist anspruchsvoller als das Stadt-Land-Fluss-Spielchen, das man an deutschen Schulen macht und als sinnvollen Unterricht verkaufen will. Ich sitze teilweise noch um Mitternacht am PC und lerne dieses Zeug, aber es macht Spaß. Endlich wird hier mal etwas von mir verlangt, das mich herausfordert.
Mein Durchschnitt beträgt momentan übrigens grandiose 1,4, wie ich ausgerechnet habe. Also der in der regulären Schule. Und den werde ich halten – darauf können die Gift nehmen!
Irgendwann am Abend ließ ich es dann gut sein mit dem GCSE-Stoff (GCSE = die Prüfung, die ich ablegen werde, britischer Realschulabschluss und Abiturzulassung) und ließ mich von Rudi bequatschen. Wenn ich vorher nicht so ganz wusste, was ich eigentlich von all dem halten soll, dann weiß ich es jetzt, weil er mich wissen ließ, er wäre einer Beziehung durchaus nicht abgeneigt.
Es gibt mir allerdings zu denken, dass er mir gewisse Dinge erzählt hat, die ich ihm offen gesagt nicht glaube. Die eine war, dass eine feste Freundin, von deren Existenz ich über Monate hinweg via Internet erzählt bekam, von ihm ermordet wurde und er das mit angesehen hat. Die andere ist die, dass ein Mädchen, mit dem er zusammengewohnt hat und mit der er fast zusammengekommen wäre, was mir auch nur via Erzählungen von ihm bekannt wurde, eigentlich erst vor ein paar Tagen ausgezogen ist oder es jedenfalls so scheint. Das ist aber alles so unglaubwürdig. Gut, vielleicht bezieht sich das ja auf etwas in seiner Vergangenheit, worüber er nicht ganz offen reden kann und was er mir deshalb in der Form sagt. Ja, ich habe den Eindruck, er lügt. Aber das, was mir so sehr zu denken gibt, ist, dass er mir dankbar dafür ist, dass ich ihn das alles vergessen lasse. Das gibt mir den Eindruck, als sähe er in mir eigentlich nur den Weg nach draußen in ein Leben, das er sich selbst niemals aufbauen kann – aber ich mir selbst und damit ihm.
Wahlweise bin ich auch einfach nur viel zu vorsichtig. >.<