Jemand hat mich heute angesprochen in der Absicht, mir Geld für meine Kunst zu zahlen. Dabei bin ich nicht mal gut, aber es passiert jetzt auch nicht zum ersten Mal, also sollte ich das vielleicht überdenken. Ich kapier’s nicht, ich kapier’s echt nicht. Andererseits, so eine Künstlerkarriere wäre toll. Naja. Karriere. Das wäre jetzt auch übertrieben. Aber trotzdem. Interesting, interesting.
Ich habe ja seit Jahren einen Account in dieser Kunst-Community, die eigentlich dazu gedacht ist, die eigene Kunst an den Mann zu bringen oder sich sowas wie ein Portfolio aufzubauen. Angelegt wurde der damals für die Comics, die Gori und ich im Unterricht gezeichnet haben, wenn wir wieder sexuell frustriert/unterfordert waren oder sonstige schwerwiegende, pubertäre Problemzustände hatten. War mir damals egal, wer die Dinger zu Gesicht bekommt. Heftig eigentlich, wie viel man früher von uns beiden im Netz finden konnte, wenn man wusste, mit welchen Nicks ich unterwegs war. Ich denke da beispielsweise an die Seite, auf der man genauestens nachlesen konnte, mit welchen dummen Aktionen wir die letzten Jahre verbracht haben. Gut, dass ich die bereits vor Jahren eliminiert habe…
Naja, mich wundert das trotzdem, dass ich so… wahrgenommen werde. Ich würde sagen, ich kann brauchbare Sachen fabrizieren, wenn man mir Photoshop und eine Kamera zur Verfügung stellt, aber nichts, was wirklich Potenzial hat. (Naja. Die Manchester-Fotos habe ich trotzdem besser hinbekommen als der Fotograf, der die Postkarten dort verkauft hat – meinen Himmel habe ich blau manipuliert bekommen, ohne dass man an den Rändern des Fotos Kardinalsfehler des Photoshoppens erkennt, ätsch! xD) Also, so richtig echtes Picasso-Potenzial habe ich einfach nicht. Gut, Picasso sowieso nicht, den finde ich pfui, also ersetzen wir den meinetwegen mit Nasmith, Lindneux und wie die Künstler nicht alle heißen, die ich toll finde. Wenn man sich dann noch überlegt, was dieser Account bietet… Zeichnungen, die ich gemacht habe, als ich 17 war. Damals saß ich immer abends auf meinem Fensterbrett, bei offenem Fenster, weil ich M. vermisst habe, und habe irgendwelchen Müll fabriziert. Mein Liebling aus der Zeit ist ein Tiger in Kohle und Bleistift, der aber einige Makel aufweist – man erkennt eben, dass es ein Tiger sein soll, aber jeder sagt trotz der Mängel, der sei gut. Freaks. Naja, und dann ist da eben noch meine Fotografie. Wobei ich aus der auch eher einen Physikwettbewerb mache und eher nebenher Botschaften in die Fotos oder ihre Nachbearbeitungen verwebe.
Nein, ernsthaft. Wtf. Gehen wir’s mal durch. Fast hätte mich im September diese Fernsehfirma als Setfotografin gebucht, und die Ansprechperson habe ich kennen gelernt, weil ich abends auf einem Fahrradweg stand, gerade einen hübschen Moment hatte und mit Stativ eine kaputte Zeche fotografiert habe, während der Inhaber mit seinem Hund spazieren war und mich nach Hause begleitet hat, weil dort naturgemäß seltsames Volk unterwegs war und er nicht fand, dass man sowas wie mich alleine rausgehen lassen sollte um diese gottlose Uhrzeit.
Und jetzt fragt jemand an, ob ich denn auch Kunst verkaufe, man will das Zeug gerne ausstellen. WTF?!
Ego-Booster!
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By the way: Mir geht’s irgendwie gut. Vielleicht sieht alles gar nicht so düster aus, wie ich es die letzten Tage gesehen habe. Manchmal muss man sich einfach zurücklehnen und die Welt in ihr Verderben rennen lassen, während man selber zusieht und sich eine Runde amüsiert. Aristotelische Katharsis. Man sieht die Fehler der anderen und spürt dadurch, dass man selbst alles andere als arm dran ist. Und natürlich, dass die Probleme der anderen ausnahmsweise nicht auch meine sind. Das ist entspannend.
Wenn ich ehrlich bin, ich genieße es gerade sogar, Single zu sein. Ich könnte wild herumflirten, wie ich das sonst immer getan habe, aber ich brauche das dieses Mal nicht. Mein Selbstwertgefühl stimmt auch so. Schön zu wissen, dass man eine Möglichkeit und genug Größe hat, sie nicht zu ergreifen, weil’s nicht so ganz richtig wäre. Und wenn ich noch ehrlicher bin, hatte ich nach einer Trennung vorher noch nie ein so intaktes Selbstwertgefühl. Was mich darin bestätigt, dass es echt ist, andernfalls gäbe es Augenblicke, in denen ich mir der… Gespieltheit dieses Gefühls bewusst wäre. Außerdem weiß ich die Freiheit zu schätzen. Natürlich ist es bezeichnend, dass die Aussage, ich sei so toll und wäre mit 19/20/21 bereits gefangen meistens von Leuten kam, die F. nicht ausstehen konnten oder ein gewisses Interesse an mir hatten, aber sie stimmt eigentlich. Ich hätte kein Problem damit gehabt, bereits als junge Erwachsene den Lebensgefährten kennen gelernt zu haben, verpasst hätte ich höchstens Dinge, die ich sowieso nie erleben wollte. Aber das war diese Beziehung nicht, das war was Vorübergehendes. Von daher, doch, irgendwie war ich gefangen. Ich würde nicht direkt behaupten, dass Beziehungen generell einengen, aber man kann sich davon sehr schnell einengen lassen, wenn sie nicht laufen und man sich darin selbst völlig verliert.
Gestern hatte ich noch ein Gespräch mit jemandem, in dem es um Einengung und Freiheit in Beziehungen geht. Ich habe währenddessen selbst bemerkt, dass ich inzwischen verdammt viele Freiheiten lassen könnte. Ich find’s beruhigend, dass ich anscheinend nicht beziehungsgestört bin. Auf der Suche bin ich jetzt nicht direkt und ich bin auch nicht dabei, gerade ein “Ziel” ins Visier zu nehmen (es gibt einen Unterschied zwischen “da gibt’s jemanden” und “ich habe ein Ziel”, by the way
), aber es ist sehr beruhigend zu wissen, dass ich theoretisch was Neues anfangen könnte, wenn es sich ergibt.